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Gesundheit aus dem
Schoß der Erde.
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Wissenschaftliches zur Heilstollentherapie

In den letzten Jahren gab es zertifizierte wissenschaftliche Arbeiten und Untersuchungen, um die Wirkung der Klimatherapie zu dokumentieren. Beispielsweise eine bioklimatische und lufthygienische Messreihe des Deutschen Wetterdienstes, sowie eine medizinische Studie der Universität Ulm belegten die Luftreinheit und positiven Wirkungen des besonderen Klimas unter Tage. Zahlreiche Krankenkassen akzeptieren die Klimatherapie daher heute als anerkannte Therapieform und erstatten die Kosten im Rahmen einer ambulanten Bäderkur.

Wissenschaftliche Bewertung der Heilstollen-Therapie

Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann (†2016) war Facharzt für Innere Medizin mit den Schwerpunkten Pneumologie, Allergologie, Umweltmedizin und Verkehrsmedizin in Göttingen. Für den Deutschen Heilstollenverband wer bis zu seinem Tod als ärztlicher Direktor tätig und bewertete die medizinischen Wirkungen der Heilstollen-Therapiezentren wie folgt:

"Die Expositionsbedingungen im zertifizierten (Therapiebereich) weisen ganzjährig nahezu homöostatische Expositionsbedingungen auf. Aufgrund der Klimamessungen, einschließlich der Luftzusammensetzungsmessungen und Hygieneuntersuchungen (Keime und Sporen), ist hinreichendes Bioklima und ausreichende Luftqualität gesichert. Hierzu zählen insbesondere die Feinstaubkarenz (PM 2.5), Karenz von Pollen, Keimen und Sporen (KBE). Das therapeutisch genutzte Klima zeichnet sich durch konstante Bedingungen mit einer Temperatur zwischen 5 und 12 Grad Celsius und eine relativ hohen Luftfeuchte (> 90 %) aus. Da es in den Wintermonaten zu einer Umkehr der Wetterrichtung (Einstrom der Außenluft) mit einer dadurch Heilstollenbedingten Störung der homöostatischen Verhältnisse kommen kann, sind die Einrichtungen in den Wintermonaten für Therapiezwecke nicht regelhaft geeignet. Der Deutsche Wetterdienst bestätigt die Einhaltung der vorgeschlagenen Richtwerte hinsichtlich der Luftzusammensetzung und Hygiene für die Sommermonate. Die gemessenen Radonkonzentrationen liegen unterhalb der gesetzlich festgelegten Grenzwerte. Die Heilstollen-Ärzte überprüfen die Kurfähigkeit und führen vor, während und nach Abschluss der Heilstollen-Therapie die Lungenfunktionskontrollmessungen durch. Das ambulante Peakflow-Monitoring wird durch das Hilfspersonal überwacht. Bei Einhaltung der klimatischen, lufthygienischen und medizinischen Qualitätsstandards für Heilstollen-Einrichtungen empfiehlt der Deutsche Heilstollenverband folgende Heilanzeigen:
  • Asthma bronchiale
  • Chronische Bronchitis
  • Heuschnupfen
  • Pseudo-Krupp
  • Keuchhusten
  • Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Sinusitis
  • Schlafstörungen
  • Stärkung der Abwehrkräfte / Immunsystem

Schaubild "Heilstollentherapie" von Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann (†2016) herunterladen...

(Stand: Mai 2016)
 

Luftqualität in den Heilstollen – Messreihe des Deutschen Wetterdienstes

Der Deutsche Wetterdienst wurde von uns beauftragt, in einem Forschungsprojekt die Luftqualität in den Heilstollen zu untersuchen und Luftqualitätsstandards zu entwickeln.

Die Messungen zeigten, dass in den Heilstollen nur eine geringe Grobstaubbelastung vorherrscht. Typische Grobstaubquellen wie Straßenverkehr oder die Aufwirbelung und der Transport von Staubteilchen durch Wind, spielen unter Tage keine Rolle. Von außen eingetragene Staubteilchen werden durch die hohe Luftfeuchtigkeit gleich absorbiert und abtransportiert. Für die Eignung eines Stollens oder einer Höhle als Speläotherapiestation wurde ein Grobstaub-Richtwert von 8,5 µg/m3 festgelegt, der nicht überschritten werden darf. Dies entspricht etwa der Hälfte des Wertes, der im Kurgebiet eines heilklimatischen Kurortes für eine therapeutische Anwendung zulässig ist. Folgende lufthygienische Eigenschaften wurden bei den Messungen berücksichtigt:

Feinstaub

Der Feinstaub besteht aus Staubteilchen kleiner als 2,5 µm (0,0025 mm). Diese Partikel sind für die Gesundheit von besonderem Interesse, da sie bis in die Lunge gelangen können. Über Tage liegt die mittlere Feinstaubkonzentration in schwach belasteten Gebieten wie z.B. höheren Mittelgebirgslagen in Abhängigkeit von der Jahreszeit zwischen 6 und 8 µg/m3.

Grobstaub

Zu dieser Staubfraktion zählen Staubteilchen mit einem Durchmesser größer als 2,5 µm. Auch Teilchen bis etwa 10 µm können jedoch bis in tiefere Atemorgane eindringen. Noch größere Teilchen werden überwiegend an der Nasen-, Rachen- oder Bronchialschleimhaut abgeschieden. In heilklimatischen Kurorten gilt für die therapeutische Anwendung ein Grobstaub-Grenzwert von 15 µg/m3.

Stickstoffdioxid

Dieses Reizgas entsteht bei allen Verbrennungsprozessen und damit z.B. auch in den Motoren der Kraftfahrzeuge. Da in den Heilstollen typischerweise kein Stickstoffdioxid entsteht, kann es als Indikator für einen direkten Lufteintrag von außen dienen. Diese Situation tritt vor allem im Winter infolge einer Umkehrung der Bewetterungsverhältnisse auf. In schwach belasteten Gebieten liegen die Stickstoffdioxidkonzentrationen unterhalb von 10 µg/m3.

Temperatur und Luftfeuchte

Diese Größen beschreiben das jeweils vorherrschende, therapeutisch anwendbare Klima in den Heilstollen. Eine gleichbleibende Temperatur und Feuchte unabhängig von der Jahreszeit ist eine wesentliche Voraussetzung für die therapeutische Anwendung der Stollenluft.

Studie hier herunterladen...

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Studie zur Wirksamkeit der Höhlentherapie bei asthmakranken Kindern

Unter der Leitung von Prof. Dr. M. Leichsenring von der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Ulm nahmen insgesamt 121 Kinder (72 Jungen und 49 Mädchen) an einer Medizinstudie über und unter Tage teil.

Fragestellung

Sie beschäftigte sich mit der Frage, ob die Speläotherapie bei Kindern zwischen vier und zehn Jahren, die unter Asthma bronchiale leiden, eine therapeutisch nutzbare Wirkung zeigt. Dabei wurde untersucht, inwieweit eine dreiwöchige Kur mit zweistündigem Aufenthalt je Tag in Höhle oder Stollen die Lungenfunktionswerte der Kinder, den Verbrauch an Bedarfsmedikation, die Symptomatik der Erkrankung und die gesamte Lebensqualität günstig beeinflussen kann. Zur Beurteilung des Schweregrades der Grunderkrankung, die durch eine Ausatmungsbehinderung gekennzeichnet ist, und seiner Veränderung gilt dabei der sog. FEV1-Wert als eine wesentliche Kenngröße.  Es ist dasjenige Luftvolumen, das unter Kraftanstrengung binnen einer Sekunde von einer Person ausgeatmet werden kann. Bei der Bedarfsmedikation stand vor allem die Anwendung von Sprays mit kurzwirksamen sog. ß2-Mimetika im Mittelpunkt des Interesses. Die Studie fand von April bis Juli 2002 im Tiefen Stollen (Aalen), im Hella-Glück-Stollen (Neubulach) und in der Teufelshöhle (Pottenstein) statt.

Wissenschaftliche Methodik

Bei der Studie handelt es sich um eine sogenannte kontrollierte randomisierte Therapiestudie. Wesentliches Element ist der Vergleich des Therapie-Erfolges bei Kindern, die zur Kur in Stollen oder Höhle einfuhren, mit dem „Therapie-Erfolg” von Kindern, die eine ähnliche Betreuung über Tage erhielten. Beobachtete Unterschiede im Therapie-Effekt zwischen diesen beiden Gruppen lassen sich mit hoher Sicherheit auf den Aufenthalt unter Tage und nicht etwa auf andere therapiebegleitende Maßnahmen zurückführen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Zufallszuteilung („randomisierte Zuteilung”) der Kinder auf diese beiden Gruppen, um jede Bevorzugung oder Benachteiligung einer Therapie im Wettbewerb – z. B. durch unterschiedlichen Schweregrad des Asthma bronchiale bei den Patienten und damit möglicherweise durch unterschiedliche Erfolgsaussichten – zu vermeiden.

Zur Gewinnung von Studienpatienten wurden bereits diagnostizierte Patienten, die in der Nähe der teilnehmenden Therapie-Einrichtungen wohnten, über die behandelnden Ärzte angeschrieben, über eine Studie informiert und um Teilnahme gebeten. Erwies sich ein Kind als für die Studie geeignet – d.h. im Alter zwischen vier und zehn Jahren mit der Diagnose „Asthma bronchiale” unter fachärztlicher Behandlung – und waren das betreffende Kind und seine Eltern mit einer Studienteilnahme einverstanden, wurden bei dem Kind in einer einwöchigen Vorphase der Studie mehrmals die Lungenfunktionswerte ermittelt („Spirometrie”), um den Gesundheitszustand zu dokumentieren. Dies geschah jeweils durch eine von zwei medizinischen Doktorandinnen des Universitätsklinikums Ulm, die alle anfallenden studienbegleitenden Untersuchungen der Kinder bei Hausbesuchen durchführten. Desweiteren führten die Eltern in dieser Zeit Tagebuch über Medikamentenverbrauch, Symptomatik – z.B. Hustenanfälle – und Einschätzung der aktuellen Lebensqualität. Nach Ablauf dieser Woche wurde mit Hilfe eines Zufallsmechanismus entschieden, ob das Kind unter Tage (Speläotherapie) oder über Tage (Vergleichsgruppe) behandelt wurde.

Patienten, die der Speläotherapie-Gruppe zugelost wurden, fuhren über einen Zeitraum von drei Wochen von Montag bis Samstag jeweils für zwei Stunden in die Höhle (Pottenstein) bzw. den Stollen (Aalen, Neubulach) ein. Dort wurden die Kinder von einer sozialpädagogischen Fachkraft nach vorgegebenem Programm betreut. Ein der Vergleichsgruppe zugeteiltes Kind wurde über Tage in einem Raum etwa gleicher Größe wie unter Tage mit demselben sozialpädagogischen Programm betreut. Kinder, die sich während der Studie nicht in Höhle oder Stollen aufhalten konnten, erhielten Freikarten für 18 Tage Speläotherapie am Ort außerhalb der Studie. Während der gesamten Studiendauer wurde bei den einzelnen Patienten die vom Hausarzt verordnete Therapie in ihrer Art unverändert fortgesetzt.

In einer einwöchigen Nachphase erhoben die Studienärztinnen wie in der Vorphase die Lungenfunktionswerte der Kinder; Kinder und Eltern führten erneut Tagebuch über Symptome und Lebensqualität.

Die Veränderung der Werte von Vor- zu Nachphase spiegelt den Therapie-Erfolg oder -Misserfolg beim einzelnen Kind wider. Die Wirksamkeit der Speläotherapie kann dann als erwiesen gelten, wenn diese Veränderungen im Schnitt bei den Kindern der Speläotherapie-Gruppe positiver ausfallen als bei den über Tage Betreuten, und zwar in einem Maße, das kaum mehr durch zufällige Einflüsse erklärbar ist. Die Entwicklung des Studienplans und die statistische Betreuung der Studie erfolgte durch die Abteilung Biometrie und Medizinische Dokumentation der Universität Ulm (Leiter: Prof. Dr. W. Gaus).

Studienteilnehmer

Insgesamt 133 Kinder bildeten die Patientenschaft, die über und unter Tage betreut wurde. Elf Patienten schieden vor Therapiebeginn aus der Studie wieder aus, nachdem sie bzw. ihre Eltern erfahren hatten, dass sie der Vergleichsgruppe über Tage zugelost worden waren. Ein Kind aus der Über-Tage-Gruppe brach die Teilnahme vorzeitig ab, so dass die Bewertung der Therapie-Effekte sich auf die Daten von 121 Kindern stützt (72 Jungen und 49 Mädchen), von denen 53 die dreiwöchige Therapiephase über und unter Tage verbrachten. Die Zusammensetzung der beiden Patientengruppen war vor Therapiebeginn in allen erhobenen Merkmalen im Wesentlichen gleich. Das Durchschnittsalter betrug jeweils ca. sechseinhalb Jahre. Die Ähnlichkeit der Gruppen ist eine wichtige Voraussetzung für die Interpretation des Eintretens oder Ausbleibens von Befindungsänderungen bei den Patienten im Laufe der folgenden Behandlungsphase. Aufgrund der bei diesen Kindern festgestellten, gut vergleichbaren Ausgangswerte kann man behaupten, dass die nach der Therapiephase beobachteten Unterschiede zwischen den Gruppen auf die Wirkung der Therapien selbst zurückgeführt werden können und nicht etwa der unterschiedlichen Ausgangslage in den Gruppen zuzuschreiben sind.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen

In der Speläotherapie-Gruppe konnte eine Verbesserung des FEV1, d.h. der Luftmenge, die maximal in einer Sekunde ausgeatmet werden kann, um im Mittel ca. 10 % des Standardwertes eines vergleichbaren gesunden Kindes beobachtet werden, während sich die Werte der Kinder in der über Tage betreuten Vergleichsgruppe im Zeitraum der Studie nicht wesentlich änderten.

Die Lungenvitalkapazität der Patienten, d.h. die Luftvolumendifferenz zwischen maximaler Einatmung und Ausatmung, zeigte ähnliche Reaktion auf die Therapien: während sie über Tage im Wesentlichen unverändert blieb, erhöhte sie sich unter Tage durchschnittlich um ca. 8 % des Standardwertes eines Gesunden. Auch andere Kenngrößen der Krankheitsbelastung zeigten unter Höhlentherapie rückläufige Tendenzen, so z.B. die Anzahl der Hustenattacken, die die Kinder tagsüber erlitten. Keinen Effekt nachweisen konnte die Studie bei der Senkung des Verbrauchs an ß2-Mimetika; allerdings gaben über 60 % der Kinder in ihrem Tagebuch der Studienvorphase an, überhaupt keine ß2-Sprays zu benötigen, was bei diesen eine Verbesserung natürlich ausschloss.

Wichtige Kenngrößen des Asthma bronchiale wurden in dieser Studie also durch die Speläotherapie positiv beeinflusst. Negative unerwünschte Effekte der Speläotherapie wurden nicht beobachtet. Die Lebensqualität der Kinder erfuhr durch die Speläotherapie eine deutliche Verbesserung. Die detaillierte Auswertung der Studiendaten zeigt, dass Kinder mit schwerer Erkrankung stärker von der Speläotherapie profitierten, als Kinder mit leichtem Asthma. Nach den in der Studie angelegten Kriterien hat die Speläotherapie also einen nachweisbar positiven therapeutischen Effekt bei Kindern mit Asthma bronchiale.

 

Studie hier herunterladen...

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